Das neue PNOG - Chancen und Risiken für den Verkauf Ihres Pflegedienstes


Was muss ich in diesem Jahr vorbereiten?
Der Pflegemarkt ist stark verunsichert angesichts möglicher gesetzlicher Veränderungen. Aber es gilt wieder einmal: „Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.“
Mit dem Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) soll die Pflegeversicherung finanziell stabilisiert und zugleich strukturell neu ausgerichtet werden. Für Pflege-unternehmen geht es dabei um weit mehr als nur neue Leistungsbeträge oder geänderte Abrechnungsregeln. Es ist wie die Gesundheitsreform und vorher Krankenhausreform wesentlich ein Kostenreduktions-Entwurf, der sich einfügt in die allgemeine „Reformpolitik“ der Bundesregierung.
Die geplante Reform verschiebt die Anreize: weg von kleinteiligen Einzelleistungen hin zu Budgets, Prävention, flexibleren Versorgungsformen, stärkerer Digitalisierung und einer intensiveren Unterstützung häuslicher Pflegearrangements. Gleichzeitig soll die bisherige Tariftreueregelung zeitweise ausgesetzt werden, während die Vergütungsentwicklung stärker begrenzt werden soll. Ein schwieriger Spagat angesichts des schon hohen Lohnniveaus. Für stationäre Einrichtungen kommen noch Veränderungen bei den Leistungszuschlägen und neue Möglichkeiten zur Finanzierung digitaler und technischer Entlastung hinzu.
Für Pflegeunternehmerinnen, Pflegeunternehmer und Pflegedienstleitungen lautet die entscheidende Frage deshalb nicht:
„Was müssen wir ab 2027 umstellen?“
Sie lautet:
„Wie müssen wir unser Unternehmen bereits 2026 aufstellen, damit wir unter den neuen Rahmenbedingungen weiterhin profitabel, personell stabil und organisatorisch leistungsfähig bleiben?“
Die gute Nachricht vorweg: Viele der notwendigen Vorbereitungen sind unabhängig davon sinnvoll, welche Details das parlamentarische Verfahren am Ende noch verändert. Hoffentlich sind dann auch Pflegeexpert*innen involviert.
Wichtig: Das PNOG ist noch kein geltendes Recht
Der derzeitige PNOG-Entwurf verfolgt vier große Ziele:
Finanzielle Stabilisierung der Pflegeversicherung
Vereinfachung und Bündelung von Leistungen
Stärkung von Prävention und häuslicher Pflege
Abbau von Bürokratie und stärkere Nutzung von Digitalisierung und Innovation.
Es war von Anfang an klar, dass die Punkte 1 und 2 schneller umzusetzen sind als die weiteren zwei Punkte. Die Dringlichkeit wird durch die aktuelle Finanzentwicklung in diesem Land unterstrichen: Für das erste Halbjahr 2026 wurde bereits ein Defizit der Pflegeversicherung von rund 770 Millionen Euro gemeldet. Für das Gesamtjahr wird ein Defizit von etwa 1,2 Milliarden Euro erwartet. Die Kasseninsolvenzen werden seit Jahren vor sich hergeschoben mit halbherzigen Rettungsplänen.
An die große Strukturreform traut sich seit einem halben Jahrhundert niemand heran.
Zumal fachfremde Gesundheitsminister*innen mittlerweile zur Tagesordnung wurden.
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die nächsten Jahre von stärkerem Kostendruck, einer intensiveren Steuerung der Leistungsinanspruchnahmen und einem größeren Fokus auf die Rentabilität geprägt sein werden.



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